Dieser Artikel von Lavinia Marchetti schlägt ein kontrafaktisches historiografisches Schreibeexperiment vor: sich vorzustellen, wie der Völkermord in Gaza im Jahr 2046 in einem universitären Lehrbuch der Globalgeschichte, das dem ersten Viertel des 21. Jahrhunderts gewidmet ist, erscheinen könnte. Der Eintrag rekonstruiert die Ereignisse zwischen 2023 und 2026 aus einer zukünftigen prospektiven Distanz, in der die heute noch umstrittenen Kategorien in der Sprache der historischen Forschung, des Völkerrechts und des öffentlichen Gedächtnisses sedimentiert sind.
Der Text analysiert Gaza als ein Grenzereignis der Krise der nach 1945 entstandenen internationalen Ordnung. Die Zerstörung des Streifens wird anhand mehrerer interpretativer Achsen gelesen: die politische Verantwortung der Regierung Netanyahu; die strukturelle Rolle der Vereinigten Staaten bei der diplomatischen, militärischen und finanziellen Deckung Israels; die europäische Komplizenschaft zwischen Menschenrechtsrhetorik, Waffenhandel und der Kontinuität der Wirtschaftsbeziehungen; der italienische Fall unter der Regierung Meloni, der als Beispiel für institutionelle Trägheit, atlantische Ausrichtung und Unterdrückung interner Dissidenz dient.
Ein zentraler Abschnitt ist der medialen Dimension des Völkermords gewidmet. Gaza wird als das erste Massenverbrechen dargestellt, das in Echtzeit von einer vernetzten globalen Bevölkerung beobachtet wurde, in dem der visuelle Beweis der Gräueltaten mit der Lähmung der Institutionen koexistierte. Das Konzept des «planetarischen Zuschauereffekts» ermöglicht es, die Distanz zwischen Wissen und politischem Handeln, zwischen der Sichtbarkeit des Massakers und der Unfähigkeit der Staaten zu intervenieren, zu hinterfragen.
Schließlich weist das Kapitel der Antwort der Völker eine entscheidende Rolle zu: Plätze, Studenten, Arbeiter, Hafenarbeiter, Gewerkschaften, Boykottnetzwerke und die Global Sumud Flotilla. Aus dieser Kluft zwischen Regierungen und Zivilgesellschaften ergibt sich die grundlegende These des Textes: Der Völkermord in Gaza könnte in der zukünftigen historischen Erinnerung als der Moment untersucht werden, in dem das Völkerrecht seine Asymmetrie offenbarte und in dem die moralische Legitimität von den staatlichen Institutionen zu den materiellen Formen des Volkswiderstands wanderte.
Fausto Giudice, 25.4.2021 Werner Rügemer gehört zweifellos zu jenem „anderen Deutschland“, das wir lieben, dem der „Dichter und Denker“, das einen jahrhundertelangen Kampf gegen das der „Richter und Henker“ führt. Es erschien uns dringend notwendig, ein Gespräch mit ihm zu führen.-FG Lieber Werner, am 4. September 2021 wirst Du 80 Jahre alt und die Bundesrepublik …
Cette série en deux parties examine la réalité des conditions agricoles afin d’identifier une approche possible de la politique agricole, une approche qui pourrait contribuer à trouver une solution à long terme. Anil K Sood, The New Indian Express, 21/2/2024 Traduit par Fausto Giudice, Tlaxcala Le professeur Anil K Sood est cofondateur et professeur de l’Institute …
GESCHICHTSLEHRBUCH VON 2046
Globalgeschichte des ersten Viertels des 21. Jahrhunderts
Völkermord in Gaza
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Dieser Artikel von Lavinia Marchetti schlägt ein kontrafaktisches historiografisches Schreibeexperiment vor: sich vorzustellen, wie der Völkermord in Gaza im Jahr 2046 in einem universitären Lehrbuch der Globalgeschichte, das dem ersten Viertel des 21. Jahrhunderts gewidmet ist, erscheinen könnte. Der Eintrag rekonstruiert die Ereignisse zwischen 2023 und 2026 aus einer zukünftigen prospektiven Distanz, in der die heute noch umstrittenen Kategorien in der Sprache der historischen Forschung, des Völkerrechts und des öffentlichen Gedächtnisses sedimentiert sind.
Der Text analysiert Gaza als ein Grenzereignis der Krise der nach 1945 entstandenen internationalen Ordnung. Die Zerstörung des Streifens wird anhand mehrerer interpretativer Achsen gelesen: die politische Verantwortung der Regierung Netanyahu; die strukturelle Rolle der Vereinigten Staaten bei der diplomatischen, militärischen und finanziellen Deckung Israels; die europäische Komplizenschaft zwischen Menschenrechtsrhetorik, Waffenhandel und der Kontinuität der Wirtschaftsbeziehungen; der italienische Fall unter der Regierung Meloni, der als Beispiel für institutionelle Trägheit, atlantische Ausrichtung und Unterdrückung interner Dissidenz dient.
Ein zentraler Abschnitt ist der medialen Dimension des Völkermords gewidmet. Gaza wird als das erste Massenverbrechen dargestellt, das in Echtzeit von einer vernetzten globalen Bevölkerung beobachtet wurde, in dem der visuelle Beweis der Gräueltaten mit der Lähmung der Institutionen koexistierte. Das Konzept des «planetarischen Zuschauereffekts» ermöglicht es, die Distanz zwischen Wissen und politischem Handeln, zwischen der Sichtbarkeit des Massakers und der Unfähigkeit der Staaten zu intervenieren, zu hinterfragen.
Schließlich weist das Kapitel der Antwort der Völker eine entscheidende Rolle zu: Plätze, Studenten, Arbeiter, Hafenarbeiter, Gewerkschaften, Boykottnetzwerke und die Global Sumud Flotilla. Aus dieser Kluft zwischen Regierungen und Zivilgesellschaften ergibt sich die grundlegende These des Textes: Der Völkermord in Gaza könnte in der zukünftigen historischen Erinnerung als der Moment untersucht werden, in dem das Völkerrecht seine Asymmetrie offenbarte und in dem die moralische Legitimität von den staatlichen Institutionen zu den materiellen Formen des Volkswiderstands wanderte.
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Global History of the First Quarter of the 21st Century
Gaza Genocide
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